Interview zum Fanfilm „Stargate: Combination“

21. Juli 2009

Im Vorfeld der Veröffentlichung des deutschsprachigen Fanfilms  „Stargate: Combination“ hatten wir die Möglichkeit, Peter Vandelay (Regisseur) und Michael Böttner (Produktion) von Vision Entertainment Studios ein paar Fragen zum Projekt und der Veröffentlichung des Films zu stellen.

Hier das gesamte Interview:

Wir möchten euch zunächst zu eurem Projekt gratulieren. In der Form und Größe hat es so etwas bis jetzt im Stargate-Franchise hier in Deutschland noch nicht gegeben.

P.V./M.B.: Vielen Dank!


Euer Fanfilm feiert ja am 7. August Internetpremiere. Seid ihr nervös?

P.V.: Gering nervös… Eher erleichtert. Denn nach so langer Zeit und so vieler Arbeit, ist es ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass sich die Arbeit und der Aufwand gelohnt haben.

M.B.: Ein wenig, jetzt kommt der Zeitpunkt wo wir das erste Mal sehen, wie er beim Publikum ankommt. Natürlich ist es auch ein schöner Abschluss des Projektes, um dann zu 100 Prozent ins nächste zu starten.

Wie kam es zum Projekt „Stargate: Combination“?

M.B.: Christian Veit (Regie- und Produktionsassistent) und ich überlegten uns mal wieder nach zwei jähriger Pause einen „kleinen“ Film zu drehen. Da wir die 10. Staffel SG-1 schauten war klar, um was es geht. Es sollte ein Fan Film werden der auch passend zum Ende des Originales ist und da war der Zeitpunkt genau richtig.

Ward ihr schon vor eurer Produktion mit Stargate vertraut?

M.B.: Ja. Ich habe einige Folgen geschaut und war mit der Materie ein wenig vertraut, was fürs Drehbuch schreiben natürlich recht nützlich war. Natürlich wurde ich auch von vielen Fans unterstützt, wenn es um Details ging die mir selbst nicht vertraut waren.

P.V.: Ich hatte vorher nur (mehrmals) Emmerichs Kinofilm und nur 2 bis 3 Episoden der Serie gesehen. Dies war aber meines Erachtens gut, um wirklich objektiv und neutral an das Projekt ran zu gehen.

Warum sieht man eurer Meinung nach erst seit ein paar Jahren größere Fanfilm-Projekte im Stargate-Bereich? Bietet das Franchise nicht genug Erzählstoff?

P.V.: Genug Erzählstoff ist definitiv vorhanden! Allerdings spielt sicher die enorm schnelle Entwicklung der Technik eine Rolle, dass erst seit ein paar Jahren zunehmend Fanfilme produziert werden. Denn vor einigen Jahren war es für den Laien noch recht schwierig Effekte, wie sie im Sci-Fi üblich sind, nachzumachen. Heute, wo Videoschnitt- und Effektprogramme recht erschwinglich geworden sind, kann sich beinahe jeder an Fanfilmen versuchen. Leider denken viele, dass es mit ein paar Effekten schon getan ist. Die meisten sehen einfach nicht, was es für Arbeits- und Geldaufwand ist, einen „guten“ Film zu produzieren! Deswegen brechen viele Fanfilmer irgendwann ab und einige ersticken bereits im Keim.

M.B.: Ich denke, Fan Filme hat es immer schon gegeben. Nur eben qualitativ nicht so hochwertig, wie in der heutigen Zeit, was natürlich mit der Entwicklung der Technik zu tun hat. Sie wurden einfach nicht so bekannt. Aber da das Internet ja auch immer mehr Möglichkeiten bietet, kann ja wirklich jeder alles ins Netz stellen und veröffentlichen und dadurch Aufmerksamkeit erregen. Zum Thema Erzählstoff ist sehr viel Potenzial vorhanden, aber leider kann man wirklich das wenigste umsetzen und Leute finden die mitziehen.

Was genau waren eure Aufgaben bei der Produktion des Fanfilms?

M.B.: Ich hatte die Ehre, mich als Produzent des Filmes mit den Leuten rumzuärgern, Finanzen zu planen, Drehpläne zu schreiben und Leute zu koordinieren. Also alles, was dazu gehört und keiner sieht. Aber ich durfte, wenn Bedarf war, auch mal das machen, was mir am wichtigsten ist und zwar Kameramann. Aber um so ein Projekt wirklich fertig zu bekommen, muss eben jeder seinen Bereich einhalten. Jeder hat für seine Aufgabe das Sagen, denn wenn man noch rumdiskutiert, wird man nie fertig. Das ist ganz wichtig für große Projekte!

P.V.: Ich habe Regie geführt und zusammen mit Christian Veit (Regie- und Produktionsassistent) stets Michael Böttner dabei unterstützt, das Projekt erfolgreich zu beenden.

Hat das Projekt viel Freizeit beansprucht oder war es für euch eher ein nettes Hobby nebenbei?
P.V.: „Freizeit“ gab es für uns drei während des Projektes gar keine!

M.B.: Was war nochmal Freizeit? Nee, wenn ich ganz ehrlich bin, war das Drehen an sich ja wie Freizeit für uns. Man hat seine Leute wieder gesehen und selbst wenn es mal wieder stressig war, wegen Zeitproblemen oder so, man hat sich zusammen gerissen und weiter gemacht. Wir hatten auch schwere Zeiten, was natürlich bei einer Drehzeit von 9 Monaten klar ist. Aber alle haben sich gegenseitig motiviert und aufs Ziel hingearbeitet.

Die Handlung soll ja in einigen Punkten mal mehr, mal weniger vom Original abweichen. Gab es im Vorfeld große Diskussionen über diese Neuinterpretation?

M.B.: Als ich anfing das Drehbuch zu schreiben, habe ich mich immer wieder mit Fans aus Deutschland und den USA ausgetauscht und auf ein gemeinsames Ziel hingearbeitet. Professionelle Neuinterpretationen gibt es in der heutigen Zeit sehr viele, aber komischerweise ist so etwas plötzlich umstritten, wenn es von Fans gemacht wird. Ich hätte nie über ein anderes Team schreiben können, denn ich wollte SG1 in dem Film in Erinnerung halten. Natürlich kommen wir nicht an die originalen Charaktere heran, aber das haben wir nie behauptet oder überhaupt gewollt. Ich denke, wir haben nicht nur einen Film in Spielfilmlänge geschaffen, sondern auch noch ein schweres Thema ausgesucht, an das sich noch niemand herantraute. Aber das war der Reiz für mich, das Projekt zu machen. Nicht umsonst steht VISION Entertainment Studios für neues, den „Standards“ machen genug andere!

Ist es nicht riskant, 10 Staffeln Stargate in einem Film erzählen zu wollen?

M.B.: Wenn es eine logische Story ist, die einem funktionierenden Handlungsstrang folgt und nicht zu viele Ungereimtheiten auftauchen, dann hat man eine gute Geschichte geschaffen. Desweiteren wurden ja nicht 10 Staffeln in einen Film gequetscht, sondern nur die wichtigsten Ereignisse in einer veränderten Geschichte erzählt. Da können alle Hobbyfilmer gefragt werden, wie viel doch in 90 Minuten Film passt und wie lange man benötigt, um dies nach zu weisen. Es kann einiges erzählt werden ohne die Story langweilig werden zu lassen und ich bin der Meinung das ist uns recht gut gelungen.

Wie habt ihr es eigentlich geschafft, so viele freiwillige Darsteller und Mitwirkende aufzutreiben, die an der Produktion beteiligt waren?

M.B.: Als wir das Projekt starteten hießen wir ja noch Thüringer Filmclub. Da wir ja früher immer schon mal kleinere Projekte gemacht hatten, waren wir schon ungefähr 5 Leute. Natürlich schöpften wir unser Potenzial mit allen Mitteln aus, um an weitere Leute zu kommen, wobei ja am Anfang die Crew auf ca. 40 Leute geschätzt wurde (Zum Ende 100). Durch Zeitungsanzeigen und viel Werbung im Internet kamen dann auch einige Leute zu unseren Castings und Stück für Stück füllten sich die Lücken in der Crew. Auch einige Freunde wurden angesprochen und wir konnten fristgemäß anfangen zu drehen. Wenn man darüber nachdenkt, wie wir die Leute die ganze Zeit so ohne Bezahlung an uns binden konnten, kann ich immer wieder nur sagen, dass ich selber fasziniert war. Aber um so etwas zu schaffen, wollen sie auch sehen, dass du nicht nur reden kannst, sondern auch handelst. Denn wenn man sieht, wie es voran geht, will man natürlich bei der „großen Sache“ dabei sein. Man muss ein Mittelding zwischen dem Drehplan und den Interessen der Leute finden und das haben Peter, Christian und ich gut gelöst und allen Beteiligten und uns eine bestmögliche Umgebung geschaffen, um den Film zu machen. Da bringt es einem nichts, wenn der Wille da ist, einen Film zu machen. Man muss auch bedenken, dass man mit Menschen arbeitet und nicht mit animierten Figuren. Da müssen immer Kompromisse eingegangen werden.

P.V.: Richtig. Es war auch jeden Tag auf’s neue eine Herausforderung, die Konflikte zwischen den Crew-Mitgliedern zu lösen. Man muss die Leute immer motivieren, sich weiter anzustrengen und ihnen dennoch Spaß an der Sache zu lassen.

Seid ihr sehr überrascht über den hohen Bekanntheitsgrad, den euer Projekt in kürzester Zeit bei den deutschen Stargate-Fans erlangt hat?

M.B.: Allein durch die Diskusionen über unsere Neuinterpretation wurden wir ja schon bekannt und natürlich auch durch die rasche Planung und Umsetzung. Man muss dazu noch sagen, wir sind alle nicht vom Fach und in meinem Fall war das der erste Film, den ich in so einem Umfang betreut habe. Auch die Spieldauer von 90 Minuten lässt sich sehen und ist ja in dieser Dimension im Fan Bereich noch nicht wirklich nachzuweisen. Dann kommen noch die faszinierenden Effekte dazu, bei denen man uns sogar schon vorwarf, sie währen aus dem Original geschnitten. Dies baut mich natürlich immer wieder auf, denn das Filmmaterial ist komplett von uns. Das einzige, was nicht ganz von uns ist, sind einige Sachen im Drehbuch. Aber deshalb ist es ja auch ein Fan Film.

P.V.: Also, ich bin schon überrascht. Aber auch das hat geholfen, die Crew stets „bei der Stange zu halten“ und weitere Unterstützung zu finden. Und zum Thema „Material-Klau“… auch bei unserem Soundtrack wurde uns schon vorgeworfen, es wäre teilweise Original-Musik. Aber tatsächlich handelt es sich auch beim Soundtrack um eine komplette Neu-Interpretation, die von Sebastian Schell brillant komponiert wurde!

Wie schaut die Zukunft aus? Habt ihr schon ein weiteres Großprojekt und inwiefern helfen euch die Erfahrungen aus dem Dreh von „Stargate: Combination“?

P.V.: Kommendes Jahr produzieren wir ein weiteres „Großprojekt“. Diesmal aber keinen Fanfilm, sondern eine eigene Geschichte.
Die Erfahrungen, die wir bei SG-C sammeln konnten war mehr, als wir die vielen Jahre davor sammeln konnten. JEDE Erfahrung, egal ob klein, groß, negativ oder positiv, hat uns geholfen besser zu werden!

M.B.: Ich persönlich bin ja auch immer für Abwechslung. Daher war von Anfang an klar, dass es in eine andere Richtung gehen wird. Natürlich hat uns SG Combination sehr geholfen. Wir haben unsere Erfahrungen gesammelt, um das nächste Mal noch besser zu werden. Auch einige Leute werden sich bei der nächsten Produktion wieder sehen, denn es haben sich Zugpferde herausgebildet auf die man nicht verzichten möchte. Das nächste Projekt sieht sehr vielversprechend aus und ich kann nur sagen, lasst euch von unseren Leistungen weiter überzeugen. Wir werden euch nicht enttäuschen.

Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen euch, dass euer Fanfilm ein voller Erfolg wird und hoffen, dass wir weiterhin spannende Produktionen von euch sehen werden.